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Vinzenzkonferenz Boppard e.V.

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Geschenke als Türöffner zu den Herzen
Unsere Mitarbeiterin Dagmar Stadtfeld begleitet die Vinzenz-Konferenz in der Vorweihnachtszeit


Ehrenamtliche Mitarbeiter der Vinzenz-Konferenz nehmen Geschenkpakete von Otto May,
Leiter der Geschäftsstelle Rewe in Boppard (2. v. links) entgegen.
Mit dabei ist auch Gerhard Schäfer, der Vorsitzende der Vinzenz-Konferenz (Mitte).

* Boppard.* Zu Weihnachten gibt es Geschenke, das ist klar und stellt kaum jemand in Frage. Unsere Mitarbeiterin Dagmar Stadtfeld hat sich gefragt, woher diese Tradition eigentlich kommt. Zudem begleitete sie eine Hilfsaktion, die sich an bedürftige Menschen in der Region richtet.
Schon in der Adventszeit geht es los, man hetzt durch die Geschäfte oder durchforstet das Internet nach einem passenden Geschenk für die Lieben. Oft höre ich die Frage "Und, hast du schon alle Geschenke?" Nicht wenige sind heute davon gestresst und sagen dann: "Wir schenken uns dieses Jahr mal nix." Doch Weihnachten ohne Geschenke, das geht irgendwie auch nicht. Doch warum gibt es eigentlich zu Weihnachten Geschenke? Da fällt mir zunächst der christliche Gedanke ein. Geschenke erinnern an die Gaben der Heiligen Drei Könige an den neugeborenen Jesus. In der christlichen Tradition sind sie ein Symbol für Wertschätzung und Großzügigkeit. Bei weiterer Recherche stoße ich auf einige andere Bedeutungen. Schon die alten Römer beschenkten sich zum Jahreswechsel und hofften damit auf Glück im neuen Jahr. Im 18. Jahrhundert wurden nur die Kinder beschenkt und man legte viel Wert auf die Wahl der Geschenke. Die Jungen bekamen meist Zinnsoldaten, zur Vorbereitung auf eine militärische Ausbildung, die Mädchen Puppen, um sie auf ihre Rolle als Hausfrau einzustimmen.
Das ist heute natürlich ganz anders. Nicht nur die Kinder, auch die Erwachsenen beschenken sich, und die Facette an Geschenken ist breit gefächert. In diesem Jahr suche ich nicht nur Gaben für meine Familie aus, sondern darf an einer besonderen Geschenkaktion teilnehmen. Die Vinzenz-Konferenz, ein kirchlich und staatlich anerkannter Verband ehrenamtlich tätiger Laien in Boppard, organisiert eine Hilfsaktion für bedürftige Menschen in der Region. Finanziert von der Firma Sebamed in Bad Salzig packen die Mitarbeiter vom Rewe in Boppard gemeinsam mit Geschäftsleiter Otto May die Hilfspakte voll mit leckeren Lebensmitteln und weihnachtlichem Gebäck. Insgesamt 70 Pakete kommen zusammen, die Gerhard Schäfer, Leiter der Vinzenz-Konferenz, zusammenstellt.
Der Leitgedanke der Vinzenz-Konferenz ist es, vor Ort dem Nächsten zu helfen. Dabei besuchen die ehrenamtlichen Mitarbeiter die Menschen in ihrem Zuhause und helfen je nach Bedarf. Zehn aktive Mitglieder sind in Boppard unterwegs, um die größte Not zu mildern. Die Paketaktion zu Weihnachten ist ein regelmäßiges Projekt, das der Verein organisiert. Dabei werden sozial engagierte Vereine der Stadt ausgesucht, an die die Pakete verteilt werden. Dazu gehört auch Donum vitae, die Beratungsstelle, für Schwangere, die 20 der Pakete zugeteilt bekommt. Ingrid Gundert-Waldforst, Leiterin der Beratungsstelle, hat sich im Vorfeld Gedanken gemacht und eine Liste erstellt, wer von den Frauen damit beschenkt werden soll. Auf ihrem Weg zu den Familien darf ich sie begleiten und die Geschenke überreichen.
Wir besuchen Frauen, die alleinerziehend leben oder sich in schwierigen Verhältnissen befinden. Das, was mir zuallererst auffällt: wir werden überall freundlich empfangen. Gerne lädt man uns ein, hereinzukommen. Und schnell wird mir klar, es geht den jungen Frauen nicht so sehr um das Paket, sondern um unseren Besuch und unsere Aufmerksamkeit für sie. So werden wir eingeladen zum Tee und erfahren in vielen Gesprächen von den Sorgen und Nöten der Frauen im Alltag.
Da ist beispielsweise die junge Frau aus Syrien, die mit ihren vier Kindern vor Terror und Krieg geflohen ist, vom eigenen Ehemann Gewalt erfahren musste und erst mal allein für sich und die Kinder verantwortlich ist. Durch den Einsatz von Solwodi, der Frauenhilfsorganisation in Hirzenach, findet sie eine sichere Unterkunft und kann hier erst mal zur Ruhe kommen. Im Gespräch erzählt sie uns von ihrer Familie zu Hause und ich spüre ihr Heimweh nach ihren Eltern. Auch fällt es ihr schwer, hier in Deutschland ein anderes Rollenbild als Frau anzunehmen. In unserem Gespräch ermutigen wir sie dazu, selbstbewusst zu sein und auch das Kopftuch, was in unserer Frauenkultur als Symbol der Unterdrückung gilt, abzulegen.
Ganz wichtig ist es ihr, die Sprache richtig zu lernen, daher will sie ab Januar eine Schule in Koblenz besuchen. "Ich will hier ankommen und richtig Deutsch lernen, damit ich irgendwann selber für meine Kinder sorgen kann", erklärt sie uns in noch gebrochenem Deutsch. Zum Abschied umarmen wir uns und sie dankt uns für unsere lieben Worte.
Da gibt es auch Frauen, die mit ihren Kindern im Haus Niedersburg leben und in der Mutter-Kind-Einrichtung allein sind. Viele berichten von den täglichen Problemen im Umgang mit den Behörden oder den Schwierigkeiten bei finanziellen Sorgen. Gemeinsam werden die Pakete ausgepackt, und die Kinder freuen sich am meisten über die Süßigkeiten.
Wir besuchen eine kleine Familie mit einem kleinen Baby, wo vor einigen Wochen ein Hausbrand entstanden ist, und zu allem Übel kurz vor Weihnachten das Auto aufgebrochen wurde und die Geldbörse geklaut wurde. "Da müssen erst mal viele Dinge geregelt werden", so erzählt man uns, und der Frust ist groß. Weihnachten passt da noch nicht so ganz ins Bild. "Ich bin für jede Hilfe dankbar", sagt uns die junge Frau, als wir gehen.
Dann gibt es da auch eine junge 19-jährige Mutter, die vor Kurzem ein Baby bekommen hat und mit ihrer Situation total überfordert ist. 'Sie weiß sich in ihrer Rolle noch nicht zurechtzufinden, außerdem ist sie durch die Geburt und die schlaflosen Nächte richtig gestresst. Aber sie hat eine liebe Familie, die sich kümmert und nicht allein lässt. Sie alle freuen sich, dass wir an sie gedacht haben. Doch das persönliche Gespräch und die Zeit, die wir mitbringen, das ist es, was zählt. So werden die Pakete für mich zum Türöffner zu den Frauen, denn so kommen wir zusammen und finden den Weg zu ihren Herzen. Ist das nicht eigentlich der Sinn von Weihnachten?
Mir wird klar, auch die Geschenke für meine Lieben sind nur die Türöffner zu ihren Herzen. Aber damit haben sie doch eine wunderschöne Bedeutung.
Rhein-Zeitung NR. 298- Dienstag, 24. Dezember 2019 Mittelrhein